Ein realistischer Blick auf die Cloud: Tipps zur Cloud-Migration aus der Praxis

Donnerstag, 20. Dezember 2018 | André Köhler

Flexibilität, Skalierbarkeit oder langfristige Geschäftsanforderungen - es gibt viele Gründe, warum keine Migration in die Cloud der anderen gleicht. Anhand von vier Beispielen schauen wir uns in diesem Artikel an, worauf Sie bei der Planung achten sollten.

Nahezu jedes Unternehmen weiß, wie wichtig es ist, im digitalen Zeitalter mit der Zeit zu gehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei wird die Cloud (zu Recht) als probate Methode angesehen, um die notwendige Flexibilität und Agilität zu erreichen. Einige Unternehmen speichern einfach sämtliche Daten und Anwendungen in der Cloud. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.

Sofern Sie nicht einen Greenfield-Ansatz planen, sollten Sie sich ganz genau überlegen, welche Anwendungen Sie in die Cloud verschieben wollen, und ob zum Beispiel Legacy-Systeme Ihren Unternehmenszielen noch Rechnung tragen. Das Entscheidende dabei ist, herauszufinden, in welchen Bereichen Sie von den Vorteilen der Cloud wirklich profitieren können und welche Workloads eine eher geringere Priorität haben.

Es gibt keine universelle Cloud-Lösung und keine Migration gleicht der anderen. Daher kann die richtige Strategie je nach Anwendung völlig unterschiedlich sein.

Was müssen Sie vor diesem Hintergrund beachten, bevor Sie den Schritt in die Cloud wagen?

Denken Sie voraus ...

Die Umstellung auf die Cloud kann sich recht kompliziert gestalten. Es gibt keine Lösung nach dem „Big Bang“-Prinzip, bei dem die Migration über Nacht vollzogen wird und am nächsten Tag einsatzbereit ist. Während einige Projekte sich durchaus innerhalb eines Monats abwickeln lassen, kann der Migrationsprozess bei anderen abhängig von ihrer Komplexität und der Anzahl der zu migrierenden Elemente über drei Jahre dauern.

Daher ist die Planung besonders wichtig, damit Sie von vornherein wissen, was auf Sie zukommt. Sie sollten die unterschiedlichen Abhängigkeiten innerhalb Ihrer IT-Systeme genau kennen, damit Ihnen nicht auf halber Strecke die Luft ausgeht.

Diese Planungsphase kann unter Umständen ebenso lange dauern wie die Migration selbst, wenn nicht länger, wie eine große Baufirma vor Kurzem bei der Umstellung auf die Cloud feststellen musste. Nach einer Planungsphase von rund neun Monaten konnte das Unternehmen 200 virtuelle Maschinen und 800 Rechenzentren in gerade einmal sechs Wochen völlig problemlos auf Azure migrieren.

Eine gute Vorbereitung zahlt sich also in jedem Fall aus.

Sind Ihre Anwendungen Cloud-fähig?

Die Public Cloud hat, wenn sie vorausschauend eingerichtet wird, durchaus Transformationspotenzial. Allerdings ist sie nicht für jede Anwendung geeignet. Ein folgenschwerer und kostspieliger Fehler, den Unternehmen häufig begehen, ist zu glauben, dass es bei der Migration in die Public Cloud lediglich darum geht, Server und Anwendungen in die Cloud zu verschieben. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass bei vielen Legacy-Anwendungen die Public Cloud kein Garant für eine sofortige Kapitalrendite ist.

Unternehmen, die sich für den Wechsel in die Public Cloud entscheiden, sollten detaillierte Kenntnisse der „Big Three“ (AWS, Microsoft und Google) mitbringen, bevor sie sich für eine passende Strategie entscheiden, denn jeder dieser Anbieter setzt ganz eigene Tools ein.

Vor jeder Migration sollten Sie prüfen, ob Ihre Anwendungen Cloud-fähig sind oder überarbeitet werden müssen. Andernfalls zahlen Sie einen zu hohen Preis für eine Plattform, die Sie nicht in vollem Umfang nutzen können.

Diese Erfahrung musste ein Unternehmen machen, das seine Anwendungen in Eigenregie aus einem Rechenzentrum auf eine große Cloud-Plattform verschieben wollte. Bald schon wurde klar, dass das Ausführen der Anwendungen in der Cloud teurer war und das Unternehmen die Vorteile nicht nutzen konnte. Kein Wunder also, dass sämtliche Anwendungen umgehend wieder von der Cloud in das alte Rechenzentrum migriert wurden.

Skalieren oder nicht skalieren

Eines der wichtigsten Verkaufsargumente der Cloud ist ihre Skalierbarkeit, wodurch sie an den Bedarf angepasst werden kann. Dies ist insbesondere für Unternehmen interessant, die Kundenanwendungen mit schwankendem Datenverkehr verwenden, sowie für Unternehmen, die sich mitten im Geschäftswachstum befinden.

Für einen Fast-Fashion-Einzelhändler, auf dessen Website der Datenverkehr zu Spitzenzeiten in wenigen Minuten auf das 40-Fache ansteigen kann, bietet die Skalierbarkeit der Public Cloud enorme Vorteile. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie sich für die stabileren Workloads interner Anwendungen eignet. Wenn Sie sich hier falsch entscheiden, zahlen Sie am Ende wohlmöglich für Funktionalitäten, die Sie gar nicht benötigen.

Vor der Migration sollten Sie prüfen, in welcher Weise Ihre Anwendungen für Ihr Unternehmen einen Mehrwert darstellen. Stellen Sie sich die Frage, warum Sie in die Cloud migrieren möchten und welche Auswirkungen dieser Schritt hat. Nur so können Sie feststellen, wo Sie die Anwendungen am besten bereitstellen sollten.

Die eigenen Stärken kennen

Die Public Cloud kann für ein Unternehmen zweifelsohne enormes Veränderungspotential haben. Die Implementierung und Verwaltung der Plattform kann jedoch selbst für erfahrene IT-Teams eine Herausforderung darstellen.

Das musste kürzlich auch ein Fintech-Unternehmen feststellen. Trotz des starken Unternehmenswachstums entschied man sich zunächst gegen das Verschieben der Server auf AWS, da das benötigte interne Know-how für eine sichere Migration fehlte. Nach einem fünfmonatigen Projekt, das sich schwerpunktmäßig mit der Konstruktion der Lösung und der Weiterbildung der Mitarbeiter beschäftigte, ist das Unternehmen jetzt in der Lage, die gesamte Migration in Eigenregie durchzuführen.

Doch selbst wenn Sie über das interne Know-how verfügen, kann es für Sie lohnenswerter sein, wenn sich Ihr Team auf das Erreichen der Unternehmensziele konzentriert. Die Weiterbildung von Mitarbeitern ist oft zeitintensiv und kostspielig, daher lohnt es sich unter Umständen nicht, alle Ressourcen in diesem Bereich einzusetzen.

Der Weg zum Cloud-Erfolg

Eine Migration in die Public Cloud erfordert eine gewissenhafte Vorbereitung. Dazu gehören auch eine umfassende Analyse der Unternehmensanforderungen, eine realistische Einschätzung des Zeitrahmens und eine vorausschauende Planung, um sicherzustellen, dass eine Migration in der breiter angelegten Unternehmensstrategie berücksichtigt wird. Bei dieser Vorbereitung können Sie auf die Unterstützung eines Drittanbieters zurückgreifen, der das entsprechende Fachwissen und die Ressourcen mitbringt, damit die Cloud-Migration ein Erfolg wird.

Wichtigste Schlussfolgerungen:

  • Die Vorteile der Cloud liegen auf der Hand, eine universelle Migrationslösung gibt es jedoch nicht.
  • Die sorgfältige Planung der Migration ist entscheidend, denn so kann sich die Migrationszeit erheblich verringern.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Anwendungen Cloud-fähig sind, bevor Sie sich für eine Migration entscheiden.
  • Berücksichtigen Sie die individuellen Anforderungen Ihres Unternehmens, damit Sie später nicht für Funktionen zahlen, die Sie überhaupt nicht benötigen.

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Public Cloud Transition Check

Geschrieben von André Köhler - Product Manager

André Köhler verantwortet als Produktmanager die Optimierung und Weiterentwicklung von Public Cloud Lösungen und Netzwerk-Produkten bei Claranet. André ist akkreditierter AWS Business Professional und steht bei der Entwicklung neuer Public Cloud Services im aktiven Austausch mit den anderen Cloud Experten in der Claranet Gruppe.

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