Warum Multi-Cloud? Diese Vorteile bringt der IT-Trend Unternehmen

Die Multi-Cloud wird von vielen Analysten als einer der zentralen IT-Trends gesehen. Aber welche Vorteile bringt die Nutzung mehrerer Cloud-Anbieter? Warum ist der Ansatz gerade heute von besonderer Relevanz? Und was sind die Bedingungen für einen erfolgreichen Einsatz des Modells in der Praxis?

Zunächst ein Blick auf die Anfänge: Vor nicht allzu langer Zeit verfolgte der Cloud-Marktplatz „Deutsche Börse Cloud Exchange“ einen ähnlichen Ansatz. Über eine zentrale Plattform sollten in standardisierter Form die gewünschten Cloud-Ressourcen mit transparenten Angeboten und Preisen für Bestellungen zur Verfügung stehen. Der Schwerpunkt lag auf Infrastruktur-Services. Bietet z.B. ein Provider besonders günstige Preise für Storage, könnten Unternehmen einfach zu diesem Anbieter wechseln oder gleichzeitig unterschiedliche Services von den jeweils passendsten Anbietern beziehen.

Hier zeigen sich bereits zentrale Motive für die Nutzung der Multi-Cloud: Nicht die Festlegung auf einen Provider, sondern die Nutzung der Vorteile unterschiedlicher Anbieter sowie eine möglichst große Unabhängigkeit gegenüber dem Plattform-Betreiber. Ob das Modell zu früh kam oder die Mehrwerte noch nicht überzeugten, die Deutsche Börse musste den Betrieb bereits nach nur wenigen Monaten einstellen.

Best-of-Breed – Jede Cloud ist anders

Nach dem eher kurzen Intermezzo des Cloud-Marktplatzes ist die Erfolgsprognose für die Multi-Cloud deutlich gestiegen. Heute steht das Thema einer parallelen Nutzung mehrerer Public Cloud Anbieter ganz oben auf der Agenda der IT-Entscheider. Was sind die Gründe?

Ging es beim Cloud-Marktplatz im Wesentlichen um Kostenvorteile bei reinen Infrastruktur-Services, stehen heute vor allem die Plattform Services der Public Cloud Anbieter im Fokus. Denn die Public Clouds werden als Wegbereiter der Digitalisierung gesehen: Machine Learning-, IoT- oder AI-Services sind Schlüsseltechnologien für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und Angebote. Damit gewinnt das Thema enorm an Bedeutung. Wenn etwa der Anbieter von Reinigungstechnik Kärcher einen IoT-Ansatz verfolgt, um Produkte effizienter und sparsamer zu gestalten, hat dies eine unmittelbare geschäftliche Relevanz. Die gewählten Cloud Services haben nicht nur positive Auswirkungen auf die IT-Kosten, sondern auf die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft des Unternehmens.

Das entscheidende Motiv für die Multi-Cloud sind also die spezifischen Stärken und Schwerpunkte der Public Cloud Provider. Es gibt nicht einen Anbieter, der alle Themen in gleicher Weise bedient. Beispielsweise verfügt AWS über ein extrem umfangreiches Service Portfolio, Microsoft Azure bietet eine enge Integration mit anderen Microsoft-Produkten und ein breites ISV Ökosystem und die Google Cloud hat einen starken Fokus auf innovative Features. Die Multi-Cloud stellt die Antwort auf den Sachverhalt dar, dass es nicht einen optimalen Cloud-Anbieter für alle Anwendungsfälle gibt.

Grafik: Cloud Provider Strategien von Unternehmen

Beispiele für Vorteile der Multi-Cloud:
  • Stärken unterschiedlicher Cloud-Anbieter nutzen
  • Höhere Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit durch Redundanzen
  • Größere Reichweite durch Erweiterung der Verfügbarkeitszonen
  • Geringere Abhängigkeit von einem einzelnen Cloud Provider

Das Modell für die Provider-Auswahl ist „Best of Breed“ statt „One-Size-fits-all“. Unternehmen wählen jeweils den besten Anbieter für unterschiedliche Herausforderungen. Das gilt besonders für die Enterprise-IT mit ihrem breiten Spektrum an unterschiedlichen Themen und Anforderungen. Die Multi-Cloud erweist sich als weiterer Evolutionsschritt des Cloud Computing. Insofern ist es nur konsequent, wenn der CEO von Canonical Mark Shuttleworth bei der Vorstellung der neuesten Ubuntu Version in einem weltweiten Konferenz Call äußerte "Multicloud operations are the new normal”.

Unabhängigkeit in der Multi-Cloud – Mobilität durch Container und Kubernetes

Neben der Frage nach der Wahl der passenden Anbieter ist die der Wahrung der Unabhängigkeit gegenüber den Public Cloud Providern ein wichtiges Motiv einer Multi-Cloud-Strategie. Werden Preise signifikant erhöht, Services gekündigt oder neue Schwerpunkte gesetzt, braucht man Alternativen - entweder durch Parallelbetrieb oder durch Wechsel der Anwendungen und Daten auf eine andere Plattform. Aufgrund der stärkeren Nutzung der Cloud für geschäftskritische Applikationen ist eine Verschiebung der Anwendungen aber nicht mehr ohne weiteres möglich.

Hier gibt die Container-Technologie Mittel an die Hand, die Interoperabilität der verschiedenen Cloud-Welten trotz hoher Abhängigkeiten zwischen Infrastruktur und Applikationen zu realisieren. Container enthalten neben der Anwendung selbst auch zentrale Komponenten wie Systembibliotheken oder eine Laufzeitumgebung, die für die Lauffähigkeit der Applikation entscheidend sind. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Anwendung weitgehend unabhängig von der Umgebung funktioniert. Eine containerisierte Applikation lässt sich auf verschiedene Cloud-Plattformen verschieben, ohne dass ihre Funktionalität beeinträchtigt wird.

Beispiele für die Vorteile von Containern sind:
  • Einfache Portabilität von Applikationen auf unterschiedliche Systemumgebungen
  • Schnelle und zuverlässige Bereitstellung von Anwendungen
  • Optimale Ausnutzung vorhandener System-Ressourcen

Grafik: Einschätzung von Kubernetes

Eine Container-Management-Software hilft dabei, den Einsatz von Containern effizienter zu gestalten. Kubernetes ist ein von Google als Open-Source-Software entwickeltes Management-Tool für die Bereitstellung, Verwaltung und Überwachung einer Container-Umgebung. Mittlerweile haben alle großen Public Cloud Anbieter ein entsprechendes Angebot im Portfolio.

Management von Komplexität – Voraussetzung für den Praxiserfolg

Die Vorteile der Multi-Cloud sind offensichtlich, die Möglichkeit des Anbieterwechsels durch Container und Kubernetes grundsätzlich gegeben. Was aber ist die Voraussetzung, damit aus der Multi-Cloud auch ein Erfolg in der Praxis wird?

Ob die Multi-Cloud im konkreten Anwendungsfall funktioniert, hängt zu großen Teilen davon ab, inwieweit es gelingt, die entstehende Komplexität zu bewältigen. Denn sowohl bei Multi-Cloud-Konzepten als auch bei Containern sind die Vielzahl der Schnittstellen und Abhängigkeiten sowie das geforderte Know-how eine enorme Herausforderung. Mit Kubernetes lassen sich beispielweise Migrationsprozesse auf unterschiedliche Plattformen vereinfachen, aber gleichzeitig zeichnet es sich selbst durch eine beträchtliche Vielschichtigkeit aus. Das Gleiche gilt für die Nutzung und Einbindung mehrerer Public Clouds, die ebenso spezifischen Bedingungen unterliegen. Herausforderungen sind zum Beispiel:

  • Höherer Management- und Planungsaufwand durch eine hohe Anzahl von Systemen, Schnittstellen und Prozessen
  • Größerer Aufwand für die Verwaltung und Abrechnung der Services
  • Notwendigkeit eines übergreifenden Datenschutz- und Datensicherheitskonzepts
  • Aufwand bei der Aktualisierung durch neue Services, Updates und Releases

Es besteht daher ein grundlegender Zwiespalt. Einerseits ist die Nutzung unterschiedlicher Public Clouds und der Container-Technologie ein entscheidender Hebel für die erforderliche Digitalisierung. Andererseits sind viele Unternehmen mit der Steuerung unterschiedlicher Cloud Provider und einem effizienten Einsatz von Container-Technologien überfordert. Insofern ist es für Unternehmen erfolgskritisch, sich das notwendige Know-how anzueignen und den Aufbau einer Multi-Cloud systematisch zu planen.

Um den Einsatz verschiedener Cloud Provider optimal umzusetzen, können Unternehmen auch auf die externe Unterstützung von Anbietern zurückgreifen, die das Management der unterschiedlichen Public Cloud Plattformen und von Kubernetes für sie übernehmen. Auf diese Weise lässt sich das Innovationspotenzial unterschiedlicher Public Cloud Provider ausschöpfen und gleichzeitig die Abhängigkeit von den Plattform-Anbietern deutlich reduzieren.

Geschrieben von Ingo Rill - Marketing Director

Ingo Rill ist Marketing Director bei Claranet und verantwortet die Bereiche Kommunikation und Produktmanagement. Zuvor arbeitete er als Leiter Networks und Produktmanager bei einem IT-Dienstleister im Gesundheitswesen. Als Projektmanager und Consultant bei verschiedenen Digital-Agenturen leitete er zahlreiche große Webprojekte.

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