W├╝rfeldrehen mit Gr├╝ner So├če

Freitag, 25. Oktober 2019 | Jan Kleinert

6,88 Sekunden ben├Âtigte der in einem orangefarbenen Hoodie gekleidete Feliks Zemdegs beim Zauberw├╝rfel-Wettbewerb Canberra Autumn 2015, um die Farben eines zerw├╝rfelten 3x3x3-Rubik wieder auf ihre sechs Seiten zu bef├Ârdern ÔÇô allerdings mit den Fingern nur einer Hand (siehe YouTube)! Solche Freizeitsportler-Weltrekorde n├Âtigen jede Menge Respekt ab. Und sie lassen Arbeitnehmer-Endspurts wie meinen als Chefredakteur beim Linux-Magazin, wo ich nach knapp 19 Jahren binnen eines Monats meinen Job und zudem die Stadt M├╝nchen an den Nagel geh├Ąngt habe, verblassen.

Und tats├Ąchlich ist meine Scheidungsgeschichte nicht der Lohn eines ausgefeilten Trainings oder einer durch anabole Steroide ausgel├Âsten Ad-hoc-Hybris geschuldet, sondern dem liberalen deutschen Arbeitsrecht, das die gesetzliche K├╝ndigungsfrist arbeitnehmerseitig auf einen Monat festlegt. Wer dann wie ich schon einen neuen, unterschriebenen Arbeitsvertrag zu Hause liegen hat, kann die ausbrechende Gesch├Ąftigkeit in der alten Firma in vollen Z├╝gen genie├čen.

Den gel├Âsten Zauberw├╝rfel nach einem Monat zufrieden auf den Tisch zu werfen, ist freilich nur die halbe Miete. Der neue Job will angetreten, die neuen Kollegen wollen kennen gelernt und ÔÇô zumindest bei mir ÔÇô die neue Stadt erkundet sein. Meine Recherchen haben ergeben, dass es Frankfurt mit den Weltrekorden nicht so hat: Bereits zum zweiten Mal scheiterten die Einwohner der Stadt mit dem Versuch, binnen eines Tages 231 775 Portionen Gr├╝ne-So├če-Gerichte zu verzehren ÔÇô und dies, obwohl an dem ausgew├Ąhlten Tag sogar der ├Ârtliche Ikea seine K├Âttbullar mit der hessischen Nationalso├če ├╝bergossen servierte. Nur 181ÔÇë096 kr├Ąutergetr├Ąnkte Portionen gelangten in die M├Ągen von Einwohnern und Touristen der Mainmetropole. Vielleicht k├Ânnen Neub├╝rger wie ich den n├Ąchsten Versuch erfolgreicher gestalten?

Abseits kulinarischer Quantit├Ąten bietet Frankfurt eine Menge, insbesondere Internet-m├Ą├čig. Der hiesige DE-CIX ist der datendurchsatzreichste Internetknoten der Welt, was Provider wie Claranet, das ist mein neuer Arbeitgeber, magisch anzieht. Wer hier seine Server stapelt, kann Cloud-Dienste mit kurzen Antwortzeiten und hohen Durchs├Ątzen realisieren. Dass IT-Marktexperten Cloud Computing ein unabsehbar langes weiteres Wachstum bescheinigen, macht Berufswechslern wie mir die Entscheidung jedenfalls leicht. Dass die Aussichten f├╝r den gebeutelten IT-Journalismus nicht mehr so prall sind, k├Ânnte sich rumgesprochen haben. Gleichwohl w├╝nsche ich den zur├╝ckgelassenen Kollegen nat├╝rlich, dass es wirtschaftlich mit den Linux-Zeitschriften noch lange funktioniert.

Nach einem Monat in Frankfurt wei├č ich zu berichten, dass IT-Servicekataloge eine abstimmungstr├Ąchtige Angelegenheit sind, die ├ära des Desktop-PCs angesichts angeketteter Edel-Notebooks wohl beendet ist, Apfelwein keinesfalls s├╝├č gespritzt konsumiert geh├Ârt und die erste urkundliche Erw├Ąhnung der Mainstadt mehr als 300 Jahre fr├╝her erfolgte als die der Isarmetropole. Historisch erhellend ist der Umstand, dass Ausgrabungen im Stadtwald Frankfurt ein fr├╝heisenzeitliches F├╝rstengrab zu Tage f├Ârderten, M├╝nchen als ├Ąltestes Bauwerk dagegen eine h├Âlzerne Latrine aus dem Jahre 1260 identifiziert hat, gefunden nahe dem Marienplatz. Man braucht keine einarmige Zauberw├╝rfel-L├Âsungskompetenz, um die Unterschiedlichkeit beider Siedlungspriorit├Ąten zu begreifen. Falls mir weitere Erkenntnisse zuwachsen, werde ich sie an dieser Stelle kundtun.

Geschrieben von Jan Kleinert - Portfolio Manager

Jan Kleinert arbeitet seit September 2019 als Portfolio Manager bei Claranet Deutschland. Unter anderem ordnet, dokumentiert und vermehrt er die Services, die der Managed-Cloud-Spezialist seinen Kunden anbietet. Zuvor war Kleinert fast 19 Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift Linux-Magazin.

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