Keine Eier für die Feier

Freitag, 29. November 2019 | Jan Kleinert

Wann waren Sie das letzte Mal zu einer Geburtstagsfete außerhalb der eigenen Verwandtschaft eingeladen? Dass mich jemand bei seinem Jubiläum dabeihaben wollte, ist Jahre her. Das war mal anders. Bin ich zum Langweiler mutiert, der zur Stimmung einer Party nichts mehr beizutragen vermag? Schon möglich.

Genauso gut kann es sein, dass meine Freunde und Bekannten im selben Tempo wie ich gealtert sind und per se keine rauschenden Feste mehr geben. Ich selbst bin ja keinen Deut besser: Vor 20 Jahren stand mindestens einmal pro Jahr meine damalige Zweizimmer-Wohnung voll mit schwatzhaftem Gesindel, das während der kurzen Sprechpausen Alkoholika in beachtlichen Mengen in sich goss und erst im Morgengrauen widerwillig den im Verlaufe der Nacht ungut verwandelten Ort verließ.

Und heute? Die letzte Fete, die diesen Namen auch nur annähernd verdient, habe ich wohl vor ungefähr sieben Jahren ausgerichtet. Seither haben Job, Familie und der zur Komplexität neigende Alltagskram meinem Feierwillen den Garaus gemacht. Kleiner Trost: Die Leute sind immerhin (mit wenigen Ausnahmen) prinzipiell noch verfügbar, um mit ihnen zu telefonieren, Mails auszutauschen oder sie abseits von Geburtstagsfeiern zu besuchen.

Darf es mich in diesem Licht der mangelnden Ausgelassenheit wundern, dass auch der 50. Geburtstag des Internets fast spurlos an mir vorbei gegangen ist? Die paketvermittelte IMP-Verbindung zwischen der University of California und dem Stanford Research Institute am 29. Oktober 1969 gilt als Erweckungsmoment des Internet-Vorgängerprojekts Arpanet (mehr dazu bei Wikipedia). Woher rührt meine Gleichgültigkeit gegenüber dem Geburtstagskind? Immerhin verdient nicht nur mein aktueller Arbeitgeber Claranet seine und meine Brötchen zu 100 Prozent mit TCP/IP, sondern das Wohlergehen aller Industriegesellschaften hängt am Netz der Netze.

Warum bleiben die Champagnerkorken in den Flaschen, statt mit ihrer kinetischen Energie die Deckenkonstruktionen zehntausender Rechenzentren zu perforieren? Wohl aus dem gleichen Grund, warum mein Freundeskreis und ich keine Sausen mehr vom Zaun brechen: Alltag, Business, soziale Verpflichtungen. Zudem ist das Internet wie ein guter Kumpel allgegenwärtig, sodass niemand sagt: „Schön, dass es dich gibt, du Protokollbündel, das auch nach 50 Jahren noch überraschend gut und performant funktioniert!“ Bleib gesund, lass‘ dich nicht von Monopolisten und Diktatoren vereinnahmen, und nimm‘ es nicht persönlich, dass kein vielstimmiger Chor zu deiner Feier gesungen hat. Es liegt nicht an deinem Schichtenmodell oder deinem Paketformat, sondern an Stoffeln wie mir, die irgendwann das Feiern verlernt haben. Happy Birthday, Nett-Net, wenigstens nachträglich!

Geschrieben von Jan Kleinert - Portfolio Manager

Jan Kleinert arbeitet seit September 2019 als Portfolio Manager bei Claranet Deutschland. Unter anderem ordnet, dokumentiert und vermehrt er die Services, die der Managed-Cloud-Spezialist seinen Kunden anbietet. Zuvor war Kleinert fast 19 Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift Linux-Magazin.

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