Warum die IT-Modernisierung Unternehmen in die Cloud führt

Mickael Zewde

„Wer nicht digitalisiert, verliert!“ – das gilt besonders in Krisenzeiten. Und: Die Botschaft findet endlich Gehör. So hat die IT-Modernisierung geschäftskritischer Umgebungen inzwischen für 72 Prozent der deutschen Unternehmen höchste Priorität. CEOs und Business-Entscheider unterschätzen dabei allerdings oft die strategische Bedeutung einer zeitgemäßen IT.

Angesichts des erhöhten Digitalisierungsdrucks sind veraltete und unzureichend gewartete Legacy-Systeme längst ein Geschäftsrisiko im nationalen und internationalen Wettbewerb. Trotzdem kommen in Deutschland bei 36 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen noch immer Legacy-Systeme zum Einsatz, für die es bislang keine Alternativen gibt. Dieses ernüchternde Ergebnis liefert die Studie „IT-Modernisierung 2021“ der IDG Research Services. Bei einem Drittel der Befragten lagern zudem noch große Datenbestände auf postproduktiven Systemen, die aufgrund ihres Alters nicht (mehr) im Wertschöpfungsprozess oder Alltagsgeschäft vorkommen. Und das, obwohl 60 Prozent der Studienteilnehmer genau wissen, dass postproduktive und Legacy-Systeme weit höhere Kosten verursachen als aktuelle Anwendungen.

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Die IDG-Studie zeigt aber auch, dass Geschäftsführer und Manager die Modernisierung der IT-Infrastruktur sowie die Umsetzung unternehmensweiter Cloud-Strategien zunehmend forcieren (43 Prozent). Laut IDG sehen sich derzeit 80 Prozent der befragten Firmen mit einem Modernisierungsstau der IT konfrontiert. Bedarf besteht demnach vor allem im Mittelstand, während größere Unternehmen ihre IT-Modernisierung deutlich zügiger in Angriff nehmen. So planen fast 25 Prozent der Organisationen ab tausend Beschäftigten in den kommenden zwölf Monaten eine Erneuerung ihrer Bestandssysteme – etwa acht Prozent mehr als bei den KMUs. Berücksichtigt man zudem kurzfristige Modernisierungsvorhaben, wollen in den kommenden drei Jahren laut IDG satte 60 Prozent der Großunternehmen ihre Bestandssysteme erneuern.

Warum sollten Unternehmen ihre IT modernisieren?

Die Modernisierung der IT-Infrastruktur erfolgt meist erst, wenn vorhandene Systeme nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Unternehmens genügen (55 Prozent). Neue Anwendungen und Systeme im firmeneigenen Rechenzentrum rücken dann immer mehr in den Hintergrund. Die Studie von IDG Research Services belegt, dass die IT-Architektur der Zukunft für rund 60 Prozent der Unternehmen in die Cloud führt. Vor allem Geschäftsführer (31 Prozent) plädieren demnach für eine Auslagerung der Infrastrukturservices und Applikationslandschaft. Eine entscheidende Rolle spielen dabei fünf wesentliche Herausforderungen im IT-Alltag:

  • Kostendruck: Der Betrieb und Erhalt von Legacy-IT kostet immer mehr. Moderne IT-Lösungen verschaffen Firmen Freiräume für Innovationen und häufig auch Kostenvorteile.
  • Innovationsstau: Statische IT-Konzepte bremsen innovative Geschäftsprozesse, eine agile IT sorgt hingegen für ausreichende Flexibilität und beschleunigt die Digitalisierung.
  • Komplexität: Veraltete Systemlandschaften benötigen viel Aufwand bei der Wartung. Cloud- und DevOps-Konzepte reduzieren die Anstrengungen und erhöhen zugleich die Zuverlässigkeit.
  • Sicherheitsrisiken: Gewachsene IT-Umgebungen sind oft intransparent. Erst fortschrittliche Cyber-Security-Ansätze sorgen für einen ausreichenden Schutz des Unternehmens.
  • Fachkräftemangel: IT-Fachkräfte für dringend notwendige Modernisierungsprojekte sind rar. Spezialisierte Service Provider bieten professionelle Unterstützung.

Geringere Kosten spielen laut der IDG-Studie für mehr als 40 Prozent der Business-Entscheider eine wichtige Rolle. Nach eigener Einschätzung verfügen aber auch nur knapp ein Viertel der Firmen über genügend IT-Fachkräfte für geplante IT-Modernisierungsprojekte. Agilen Unternehmen garantieren Platform-as-a-Service-Angebote von Hyperscalern wie Microsoft Azure, Amazon Web Services oder Google Cloud zudem mehr Flexibilität, eine einfachere Skalierbarkeit sowie schnellere Anpassungen an wechselnde Auslastungen. Deshalb möchten inzwischen mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen PaaS-Plattformen im Rahmen ihrer IT-Modernisierung nutzen.

Wie funktioniert die IT-Modernisierung über die Cloud?

Cloud-Services ermöglichen Firmen eine zeitgemäße, effektive und zukunftssichere IT. Für bereits existierende Anwendungen stellt sich bei der IT-Modernisierung allerdings die Frage, wie ihr Weg in die Cloud aussehen könnte. Cloud Native gilt dabei zwar als Königsdisziplin, ist aber meist die letzte Etappe der Migration. Bei diesem Designprinzip ist die Software von Anfang an auf die Cloud ausgelegt und nutzt alle Möglichkeiten voll aus. Durch diese Ausrichtung erhalten Unternehmen enorm flexible und einfach erweiterbare Anwendungen, die noch dazu gut skalieren.

Software-Entwickler spalten althergebrachte Anwendungen dabei in sogenannte Microservices auf, die überschaubare, in sich geschlossene Teilaufgaben erledigen und über schlanke Schnittstellen oder einen Datenstrom-Manager miteinander kommunizieren. Laufen die Microservices containerisiert, sind diese Dienste nicht mehr auf eine einzige Instanz beschränkt. Mehrere parallel laufende Microservices erfüllen dann auch gestiegene Anforderungen mit erhöhtem Leistungsbedarf. Dank einer Orchestrierungssoftware wie Kubernetes (griechisch „Steuermann“), die alle Container überwacht, funktioniert das sogar vollständig automatisch. Da Kubernetes dabei Ressourcen wie Datenbanken abstrahiert, verhindert diese Lösung zudem den befürchteten Vendor Lock-in in Bezug auf einen bestimmten Cloud Provider.

Wie gelangen Business-Anwendungen in die Cloud?

Durch seine hohe Flexibilität und agile Entwicklungsprozesse per CI/CD (Continuous Integration/Continuous Delivery) gewinnt der Cloud-Native-Ansatz künftig enorm an Bedeutung. Bei der Modernisierung der IT-Infrastruktur ist ein „Rebuild“, also die komplette Neuentwicklung althergebrachter Anwendungen als Cloud-Native-Applikationen, allerdings mit einem immensen Aufwand verbunden. Deshalb gehen viele Unternehmen bei der IT-Modernisierung zunächst andere Wege beim Umzug ihrer Anwendungen in die Cloud:

  • Rehosting: Diese auch als „Lift & Shift“ bekannte Migrationsvariante verlagert eine Anwendung nach kleineren Anpassungen (z. B. Virtualisierung) vom Rechenzentrum in die Cloud. Danach erfüllt sie dieselbe Funktionalität wie zuvor – aber eben nicht mehr. Diese Lösung ist für Unternehmen mit der geringsten Mühe verbunden und immerhin ein erster Schritt für weitere Maßnahmen.
  • Replatforming: Hier erfolgt ein gezielter Umbau ausgewählter Anwendungsmodule. Dabei versucht man, ganz speziell nur die Teile zu adressieren, bei denen man sich den größten Vorteil durch Cloud-Funktionen verspricht. Der Kern der Anwendung bleibt unverändert. Durch diese Strategie können Firmen den Umbau klein beginnen und mit fortschreitender Erfahrung die Geschwindigkeit der Cloud-Transformation steigern.
  • Refactoring: Im Mittelpunkt dieser Migrationsvariante steht die schrittweise Verbesserung des Quellcodes, ohne dessen Funktion zu verändern. Nach und nach gestalten die Software-Entwickler immer weitere Teile der Anwendung cloudfähig und passen dabei auch die innere Architektur der Applikation an das neue Umfeld an. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass Unternehmen so Cloud Native als Endziel der IT-Modernisierung verfolgen können.

Viele Organisationen setzen bei der Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur zunächst auf hybride Lösungen und ergänzen eigene Ressourcen bedarfsgerecht durch Dienste der Cloud-Plattformen. Entwicklungen im eigenen Rechenzentrum sollten sich künftig aber trotzdem am Microservices-Modell der Cloud orientieren. Sind Infrastrukturservices und Applikationslandschaft im eigenen Rechenzentrum schon als Private Cloud realisiert, hat die IT bei weiteren Modernisierungen freie Hand, welche Komponenten und Workloads künftig in einer externen Cloud oder auf eigenen Servern laufen sollen.

Weitere Details und Informationen zur IT-Modernisierung, zu den Vorteilen des Cloud-Native-Prinzips und anderer Migrationsvarianten fasst das Whitepaper „Nächster Halt: Zukunft! – Wie Business-Anwendungen am besten in die Cloud kommen“ zusammen. Darin erfahren Sie auch, wie die Hamburger Hochbahn AG ihre Mobilitätsangebote für Smartphones schrittweise auf Cloud Native umstellt und was Unternehmen beim Migrationsprozess unbedingt berücksichtigen sollten.

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Geschrieben von Mickael Zewde - Head of Business Development

Mickael Zewde ist bei Claranet Experte für Cloud-Native-Technologien. Durch seine langjährige Erfahrung als Projektleiter, Solution Architect Cloud und Senior Cloud Consultant kennt er die Faktoren für eine gelungene Transition und eine Vielzahl von Best Practices aus zahlreichen Cloud-Native-Projekten.

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